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Schiedsrichter der Telekommunikation – Ein Interview mit Marc Furrer

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Nach seinem gestrigen Input-Vortrag im Audimax stellt sich Marc Furrer, Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission dem Interview. Ein Gespräch über seine Person und seinen Aufgabenbereich.

Marc Furrer ist seit 2005 Präsident der Eidgenössischen Kommunikationskommission (ComCom). In seiner früheren Laufbahn war der 59-jährige Rechtsanwalt auch als Journalist beim Schweizer Radio DRS tätig und wurde persönlicher Mitarbeiter von Alt-Bundesrat Adolf Ogi im EVED (heute UVEK, das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation). Von 1992 bis 2004 leitete er das Bundesamt für Kommunikation (BAKOM), bevor er in seine heutige Position wechselte. Nebenamtlich engagiert er sich auch im Sport und ist Präsident der Schweizerischen Eishockey Nationalliga.

Roman Schister: Herr Furrer, bis 1988 arbeiteten Sie beim Schweizer Radio DRS und hatten eine unabhängige Rolle. Dann der Wechsel als persönlicher Mitarbeiter von Alt-Bundesrat Adolf Ogi zum UVEK. Verloren Sie nicht Ihre journalistische Unabhängigkeit?

Marc Furrer: In einem solchen Moment muss einem klar sein, dass man die Seiten wechselt. Man geht von der Tribüne aufs Spielfeld und darf nicht mehr versuchen, der Wahrheit kritisch auf den Grund zu gehen. Wie in meiner ursprünglichen Tätigkeit als Rechtsanwalt, vertrat ich wieder eine Seite und hatte die Aufgabe, die Entscheide des Bundesrates, respektive des Departements, zu begründen. Das einzige, was ich journalistisch noch machte, waren kleinere Berichte über das Rudern. (Schmunzelt.)

Wie kam der Wechsel zum BAKOM im Jahr 1992?

Mit der Liberalisierung von Radio, Fernsehen und Telekommunikation machte es Sinn, ein neues Bundesamt, das diese Konvergenz berücksichtigt, ins Leben zu rufen. Nun musste das neue Bundesamt aufgebaut werden. Dabei teilte mir der Bundesrat aufgrund meines Wissens im Bereich Medien und der Abläufe in Bundesbern, diese sehr dankbare und interessante Aufgabe zu.

Heute sind Sie bei der ComCom. Was ist Ihre jetzige Aufgabe?

Die ComCom ist eine unabhängige Behörde, die alle vier Jahre vom Bundesrat gewählt wird. Schliesslich ist der Bund auch Eigentümer der Swisscom und kann nicht gleichzeitig Spieler und Schiedsrichter sein. Ebenfalls sind wir für Frequenzzuweisungen verantwortlich, so mussten wir beim Aufbau von UMTS dem Militär einige Frequenzbereiche wegnehmen, was anfänglich zu leichten Problemen führte.

In dem Fall sind Sie heute nur noch für Belange in der Telekommunikation verantwortlich, nicht mehr für solche im Radio- und Fernsehbereich?

Richtig. Die ComCom behandelt keine Fälle, die Radio und Fernsehen betreffen. Diese liegen ausschliesslich beim BAKOM.

Vor einigen Wochen verbuchten Sie einen Erfolg. Die Mobilfunkanbieter einigten sich, die Terminierungsgebühren zu senken. Verläuft ihr Job immer so einfach?

Nein, das geht nicht immer so einfach. In diesem Fall ist es natürlich das typische Beispiel, dass zwei Parteien wissen, ohne Einigung entscheidet ein Richter. Diese Situation bringt die Betroffenen häufig dazu, selbst eine Lösung zu erarbeiten. Natürlich wussten die Partner aber auch, dass wir ohne Einigung, die Preise mindestens auf den zukünftigen Rahmen runterreguliert hätten. Der Beschwerdeführer in diesem Fall wäre niemals bereit gewesen, die ehemaligen Preise zu akzeptieren.

Sie sprechen den Beschwerdeführer an, können Sie denn nicht auch selbst regulativ eingreifen oder den Richter anrufen?

Nein. Ansonsten wäre ich schon lange von mir aus eingeschritten. In unserem Gesetz wird der ComCom aber kein Recht eingeräumt ex officio zu handeln. Wir müssen, wie die Wettbewerbskommission auch, auf eine Beschwerde warten.

Sie werden bald 60. Gibt es noch ein grosses Ziel, das Sie vor Augen haben?

(Lacht.) Der Direktor des Bundesamts für Sport und der Sportminister haben mich überredet, noch einmal den 90 Kilometer langen Wasalauf zu machen. Ehrlich gesagt, gibt es beruflich nicht viel, das ich noch machen möchte. Ich habe keine Quereinstiegspläne als Restaurantführer oder dergleichen. Momentan gibt es noch genügend Aufgaben bei der ComCom, die jedoch allesamt spannend sind. Ich möchte mich aber auch in Projekten zur Entwicklungshilfe, bei denen ich schon mitgearbeitet habe, weiter engagieren.

Haben Sie sich schon immer für Journalismus und Medien interessiert?

Eigentlich schon. In meiner Karriere habe ich Berichte für Zeitungen aus dem ganzen politischen Spektrum geschrieben. Diese gingen dann auch vom Sportbericht bis hin zum Reisebericht. Nach meinem Staatsexamen ging ich gleich zum Radio, woraufhin mein Vater, selbst Oberrichter, meinte, ich sei wahnsinnig. (Lacht.)

Eine Abschlussfrage: Wenn Sie Ihren Informationskonsum als Torte sehen, wie gross sind die einzelnen Stücke für Print, Radio, Fernsehen und Internet?

Das ist eigentlich ziemlich ausgewogen. Trotzdem würde ich sagen, fern sehe ich am wenigsten, es ist zwar zeitintensiv, aber meistens mache ich ziemlich viele Dinge daneben. Während des Autofahrens höre ich hauptsächlich Radio, dennoch der grösste Teil wird auf Printinhalt entfallen.

Herr Furrer, besten Dank für das Gespräch.

(Bildnachweis: http://www.nzz.ch/nachrichten/schweiz/schweiz_post_
grundversorgung_regulationsbehoerde_1.6455494.html)

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